Zum zehnten Geburtstag haben wir die „Längste Menschenkette mit den unterschiedlichsten Ausbildungsberufen" gebildet. Bei bestem Badesee-Wetter. Freiwillig.
Ehrlich gesagt: Bei diesen Temperaturen hätte jeder vernünftige Mensch am See gelegen. Wir haben uns stattdessen an der Glentleiten in die pralle Sonne gestellt, einander die Hände gereicht – und einen Rekord aufgestellt. Und wir würden es sofort wieder tun.
Am Sonntag, 21. Juni 2026, zog sich über die abfallende Almwiese des Freilichtmuseums eine Kette, wie es sie so noch nicht gegeben hat: 132 Menschen, 78 verschiedene Ausbildungsberufe, Hand in Hand, vorbei an den historen Holzhütten, das ganze Voralpenpanorama im Rücken und mit typisch bayerischer Musik. Lederhose neben Sommerhemd, Dirndl neben Wanderstiefel, dazwischen goldene Ballons in Form einer „10". In einer eigens geschaffenen Kategorie haben wir damit unseren eigenen Rekord aufgestellt – und eine Drohne hat das Ganze von oben festgehalten, damit uns das auch keiner mehr nimmt.
Ein ganzes Leben, aufgereiht auf einer Wiese
Das Schöne war: Wer die Reihe abging, fand dort alles, was ein Leben braucht. Menschen, die einen auf die Welt bringen und gesund pflegen. Die ein Dach über dem Kopf zimmern, decken und streichen. Die das Auto wieder flottmachen, die Steuererklärung bändigen, die Heizung im Winter und die Kühlung im Sommer am Laufen halten – und in der Früh die Semmel frisch backen. 78 Berufe, das sind 78 und noch viel mehr Möglichkeiten, sich bei uns im Oberland beruflich zu finden. Und genau die wollten wir an diesem Tag sichtbar machen.
Denn darum ging es uns: nicht um die Statistik, sondern um den Stolz. Jede und jeder in dieser Reihe stand für einen Beruf, für einen ganz eigenen Weg – ob die Ausbildung dreißig Jahre her ist oder gerade erst beginnt. An diesem Tag war jeder von ihnen Botschafterin und Botschafter für sein Handwerk, sein Fach, seinen Berufsweg.
Vier Landräte als Kettenglieder
Was uns besonders gefreut hat: Die Region kam wirklich zusammen. Aus den vier Ausbildungskompass Gründerlandkreisen – Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach – reihten sich Teilnehmende ein, dazu zahlreiche Ehrengäste. Bezirkstagspräsident von OberbayernThomas Schwarzenberger war da, und unsere vier Landräte reihten sich in die Kette. Und mittendrin reihte sich ganz selbstverständlich ein Hund mit ein – Berufswunsch noch offen.
Landrat Dr. Johann Bertl fand für den Ort die passenden Worte. Die Glentleiten passe deshalb so gut, weil hier neben alten Gebäuden und Lebensweisen auch alte Handwerke gezeigt werden: „Früher war es die Herkunft, die über die Zukunft bestimmte. Heute dagegen sind es die Schul- und Berufsbildung."
Genau das hat unsere Kette vorgeführt. In einer Kette ist nämlich kein Glied wichtiger als das andere. Ob Handwerk oder Pflege, Verwaltung oder Büro – jeder Beruf trägt gleich viel, und jeder Weg dorthin verdient denselben Stolz. Nicht woher jemand kommt, hält die Reihe zusammen, sondern was er gelernt hat und kann.
Vielen Dank an die beiden Fotografen Andreas Leder (Fotos) und Lukas Ditz (Drohnenaufnahmen).
Was uns happy macht: wir stehen schon zehn Jahre in dieser Kette
Das mit der Kette ist für uns ehrlich gar nichts Neues. Im Grunde stehen wir seit zehn Jahren in so einer. Vor zehn Jahren haben wir uns hier im Oberland zusammengetan – über alle Landkreisgrenzen hinweg, mit einer ganz einfachen Idee: unsere Betriebe und ihre Ausbildung sichtbar machen. Nicht jeder für sich im eigenen Eck, sondern Hand in Hand.
Und das hat funktioniert – weil wir neugierig geblieben sind und weil wir zusammenhelfen. Aus der Idee von damals ist etwas geworden, das heute 32 Regionen miteinander verbindet. Das Ausbildungskompass Magazin feiert sein Zehnjähriges, und unsere Webanwendung, die im Wesentlichen 2025 in einen Kosmos der Berufsorientierung mündete, ist für den Bayerischen Innovationspreis nominiert.
Übrigens feierte an diesem Tag noch jemand: Die Glentleiten selbst wird heuer 50 Jahre alt. Zwei Jubiläen auf einer Almwiese – ein halbes Jahrhundert Museum und zehn Jahre Ausbildungskompass. Besser hätte es gar nicht passen können.
Danke – von Herzen
So ein Tag macht sich nicht von allein. Unser Dank geht an die Wirtschaftsförderungen und der Kreisentwicklungen der vier Gründerlandkreise, an unsere großartigen Partner von IHK, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft mit ihren Innungen, der Agentur für Arbeit und dem Netzwerk Schule-Wirtschaft. Es sind die Menschen dahinter, die diese Kette seit zehn Jahren wachsen lassen. Und an die Glentleiten mit Museumsleiterin Dr. Julia Schulte to Bühne und ihrem tollen Team, die uns das Almgelände geöffnet hat. Danke vor allen Dingen auch an Thomas Schwarzenberger, der Präsident des Bezirks von Oberbayern, der so treffende Grußworte gesprochen hat.
Vor allem aber: Danke an die 132, die bei brütender Hitze gekommen sind, sich angefasst und zwanzig Sekunden lang nicht losgelassen haben. Hinterher gab's das, was nach so einem Vormittag einfach dazugehört – kühle Getränke, eine Brotzeit und reichlich Ratsch über Ausbildung und Berufsvielfalt.
Zehn Jahre. 32 Regionen. 78 Ausbildungsberufe an einem einzigen Tag. Wir sind schon ein bisserl neugierig, was die nächsten zehn Jahre bringen.

