Armin Mutzbauer ist Schulleiter der Josef-Zerhoch-Mittelschule Peißenberg und als SCHULEWIRTSCHAFT-Experte Vorsitzender des Netzwerks für den Landkreis Weilheim-Schongau. Seit Jahren bringt er Schülerinnen und Schüler mit den Betrieben der Region zusammen und holt Berufsorientierung praxisnah in den Schulalltag.

Ich habe schon einige Bewerbertage durchgeführt und sage offen: Ich habe an dieses Format geglaubt, lange bevor es einfach war. Der Bewerbertag ist eines der sinnstiftendsten Projekte, die wir unseren Schülerinnen und Schülern anbieten können, jedoch verbunden mit einem hohen Aufwand seitens der Lehrkräfte.

Warum der Bewerbertag lange ein Kraftakt war

Wer einen Bewerbertag organisiert, weiß, wovon ich spreche. Man steckt viele Stunden in Unternehmensgespräche und danach kommt die Puzzlearbeit: Welcher Schüler passt zu welchem Betrieb? Ist der Berufswunsch mit dabei? Wer spricht wann bei welchem Unternehmen vor? Wie takte ich die Zeitpläne so, dass am Ende alles ineinandergreift?

Das haben wir Jahr für Jahr auf Papier und in endlosen Tabellen zusammengesetzt. Es hat funktioniert, aber es war zu zeitintensiv. Im Schulalltag, mit allem, was ein Schulleiter und ein Kollegium ohnehin zu stemmen haben, war dieser Kraftakt auf Dauer kaum zu leisten. Und das ist gefährlich, denn genau dann drohen wertvolle Projekte einzuschlafen.

Was sich mit dem Ausbildungskompass verändert hat

Mit dem Ausbildungskompass haben wir den Bewerbertag vollständig digitalisiert: für mich ein Wendepunkt. Die Ansprache der Unternehmen, die Zuordnung von Schülern und Betrieben, die Gesprächsplanung: Alles läuft heute strukturiert über die Plattform. Was mich früher wochenlang beschäftigt hat, ist jetzt ein digitaler Prozess, den ich jederzeit im Blick habe.

Die Jugendlichen schauen sich die Betriebe digital an, erstellen ihre Bewerbungsunterlagen und schicken sie über das Portal an das Unternehmen. Die Gespräche buchen sie selbstständig, die Unternehmen erhalten ihre Gesprächspläne digital, und ich behalte über das LehrkräfteCockpit den Überblick über den Projektstand. Der Verwaltungsaufwand hat sich extrem reduziert, das Projekt gewinnt eine spürbare Leichtigkeit.

Die Rückmeldung zum Bewerbungsgespräch ist Gold wert

Die Jugendlichen führten echte Bewerbungsgespräche und bekamen anschließend ehrliches, persönliches Feedback zu ihrem Auftreten und ihren Unterlagen. Das ist Gold wert, denn eine solche Rückmeldung erhält man im späteren, realen Bewerbungsverfahren praktisch nie wieder. Ich habe gesehen, wie Anspannung wich, Selbstvertrauen wuchs und wie aus manchem Gespräch schon ein Kontakt für ein Praktikum entstand.

Auf Augenhöhe mit digitalen Kindern und einer digitalen Wirtschaft

Für mich als Schulleiter ist noch etwas entscheidend. Unsere Schülerinnen und Schüler wachsen digital auf, und auch die Wirtschaft, in die sie hineinwachsen, ist längst digital. Wenn wir Berufsorientierung glaubwürdig vermitteln wollen, steht es uns als Schule gut, auf Augenhöhe mit dieser Arbeitswelt arbeiten.

Ein Gewinn für alle Seiten

Am Ende profitieren alle. Die Schülerinnen und Schüler sammeln echte Erfahrung und Selbstvertrauen. Die Betriebe lernen ihre potenziellen Auszubildenden persönlich kennen, vereinbaren sogar häufig schon ein Praktikum. Und wir als Schule bieten ein wertvolles Projekt mit einem Bruchteil des früheren Aufwands, und haben bessere Qualität, weil mehr Zeit bleibt für Gespräche.

Aus meiner Arbeit im Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT weiß ich, wie wichtig es ist, Schule und Wirtschaft dauerhaft zu verbinden. Der Bewerbertag ist ein Paradebeispiel dafür, wie das im Alltag gelingt: mit dem digitalen Tool jetzt auch spielend leicht.

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