Eine Lehrerin blickt über ihre Klasse und weiß genau, wer zu Hause Hilfe beim Bewerbungsschreiben bekommt und wer damit ganz allein dasteht. Dieses Wissen tragen Lehrkräfte in Deutschland jeden Tag mit sich, oft ohne ein Werkzeug, um daraus etwas zu machen.
Die aktuelle PISA-Studie bestätigt dieses Bild jetzt mit Zahlen. Rund jede und jeder dritte Fünfzehnjährige in Deutschland erreicht in Mathematik und Lesen nicht das Mindestniveau, der schlechteste Wert seit Beginn der Erhebungen. Und der Bildungserfolg hängt in Deutschland stärker vom Elternhaus ab als in fast jedem anderen teilnehmenden Land. Nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern zählen zu den leistungsstarken, bei Kindern aus privilegierten Familien sind es rund 25.
Wenn das Elternhaus über die Zukunft entscheidet
Für Lehrkräfte ist das keine Überraschung, sondern ihr Alltag. Wer zu Hause niemanden hat, der beim Berufswahltest hilft, ein Praktikum vermittelt oder erzählt, wie der eigene Arbeitsalltag aussieht, braucht eine andere Art von Unterstützung, als der Lehrplan hergibt.
Berufsorientierung, die auch ohne Elternhaus trägt
Mit dem Ausbildungskompass navigieren Schülerinnen und Schüler auch dann sicher durch die Berufsorientierung, wenn zu Hause niemand mithelfen kann. Sie finden Unterstützung beim Anschreiben und beim Lebenslauf, oft zum ersten Mal überhaupt strukturiert und verständlich erklärt. Sie sehen auf einen Blick, welches Unternehmen im eigenen Umkreis ausbildet und wer gerade einen freien Praktikumsplatz hat, ohne dass jemand aus dem privaten Umfeld diesen Kontakt erst herstellen muss.
Die Lehrkraft bleibt dabei nicht außen vor, sie begleitet aktiv. Sie behält den Überblick über die Fortschritte ihrer Klasse, kann gezielt helfende Hände dazuholen, wenn jemand ins Stocken gerät, und lädt bewusst auch die Eltern mit ein, wo das möglich und gewünscht ist. So entsteht kein Ersatz für Familie oder Schule, sondern ein zusätzliches Netz, das genau dort trägt, wo sonst eine Lücke wäre.
Unternehmen übernehmen gerne Verantwortung
Die Lehrkraft sieht dabei noch etwas anderes, etwas, das in der öffentlichen Debatte um PISA fast nie zur Sprache kommt: Sie sieht, welches Unternehmen in der eigenen Region gezielt Jugendliche ausbildet, die eine helfende Hand brauchen. In jeder Ausbildungskompass-Region sind das zwischen 20 und 25 Prozent der teilnehmenden Unternehmen, Betriebe, die sich bewusst für Auszubildende öffnen, die auf dem Papier schwächer dastehen, und die bereit sind, mehr Zeit und Geduld zu investieren. Das ist gesellschaftliche Verantwortung, die nicht verordnet wird, sondern aus der Region selbst kommt, von Unternehmen, die wissen, dass eine starke Gesellschaft nur entsteht, wenn sie sich selbst mit hilft.
Berufsorientierung in allen Sprachen
Es gibt noch eine Hürde, die selten offen ausgesprochen wird. In vielen Haushalten ist das duale Ausbildungssystem schlicht nicht verankert, weil es im Herkunftsland der Familie so nicht existiert. Eltern, die selbst nie eine duale Ausbildung durchlaufen haben, können ihren Kindern schwer erklären, was ein Ausbildungsberuf überhaupt bedeutet, welchen Wert er hat und wie ein Weg dorthin aussieht. Das hat nichts mit mangelndem Interesse zu tun, sondern mit einem System, das man einfach nicht kennt.
Deshalb lässt sich der Ausbildungskompass in jede Sprache übersetzen. Wenn Eltern in ihrer eigenen Muttersprache verstehen, was ein Beruf konkret bedeutet, welche Ausbildung dahintersteht und welche Perspektive sich daraus ergibt, wächst auch die Akzeptanz zu Hause. Ein Beruf, den man versteht, kann man unterstützen. Ein Beruf, der fremd bleibt, wird oft misstraut, ganz unabhängig davon, wie gut die Chancen tatsächlich sind. Genau hier schließt sich der Kreis zur aktuellen PISA-Studie: Bildungserfolg hängt vom Elternhaus ab, und Verständnis beginnt in der Sprache, die zu Hause gesprochen wird.
Technologie, die Menschen zusammenbringt
Genau für diesen Gedanken haben wir in diesem Jahr den WirtschaftsWoche Best of Technology Award gewonnen, mit der Bewertung exzellent in der Kategorie digitale Verwaltung und Nutzen für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Für uns war das nie eine Auszeichnung für Technologie um ihrer selbst willen. Wir bauen digitale Werkzeuge, damit Menschen einander wieder leichter finden, die Lehrerin und das Unternehmen aus der Nachbarschaft, die Schülerin und der Betrieb, der genau auf sie gewartet hat. Technologie ist bei uns immer nur Mittel zum Zweck, damit Gesellschaft von Mensch zu Mensch wieder besser funktioniert.


