TEIL 3: Politik & Übergänge – mehr Einfluss als gedacht


Social Media, politische Unsicherheit weltweit und Künstliche Intelligenz, die ganze Branchen verändert – und sogar Debatten über Wehrdienst oder ein Pflichtjahr wirken plötzlich in Entscheidungen hinein, die früher deutlich klarer schienen. Die neue Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ zeigt: Jugendliche ticken heute nicht grundsätzlich anders – aber sie entscheiden unter völlig anderen Bedingungen.

In den zwei bisherigen Teilen unserer Interview-Serie zwischen Jugendforscher und Leadership-Coach Simon Schnetzer und Geschäftsführerin des Ausbildungskompass Monika Uhl ging es bereits um die Themen aktuelle Lebensrealität von Jugendlichen und Wegweiser bei der Berufsorientierung. Wie sehen Monika und Simon die Aktivitäten der Politik, wenn es um die berufliche Zukunft geht? Dies und überraschende Takes aus Simons aktueller Studie sind Grundlage zur Diskussion im dritten und finalen Teil der Serie.

Monika Uhl:
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Politik. Themen wie Wehrdienst oder Pflichtjahr wirken plötzlich in Lebensentscheidungen hinein. Spielt das wirklich eine Rolle?

Simon Schnetzer:
Bis ins Jahr 2015 war es jungen Menschen gefühlt relativ egal, was die Politik macht. Es lief ganz okay und die Entscheidungen hatten wenig Einfluss auf den Alltag. Mit der großen Flüchtlingswelle, Fridays for Future, dem Umgang mit der Corona-Pandemie und nun mit dem Wehrdienst hat sich das grundlegend verändert. Warum? Weil es sich direkt auf die Lebenssituation und Zukunftsperspektive auswirkt und weil es Unsicherheit erzeugt. Wenn junge Menschen nicht genau wissen, wie ihr Weg nach der Schule aussieht, verändert das ihre Planung.

Monika Uhl
Wie sehen die Veränderungen in der Planung konkret aus? 

Simon Schnetzer:
Zunächst einmal herrscht bei jungen Menschen eine große Unzufriedenheit mit der Politik, weil bei wichtigen Fragen, die hauptsächlich sie angehen über sie entschieden wird und nicht mit ihnen. Dadurch verringert sich die Akzeptanz von Entscheidungen wie für einen Wehrdienst oder die Forderung nach mehr Leistung. Viele junge Menschen haben nicht das Gefühl, dem Land etwas schuldig zu sein und vermissen gute berufliche Perspektiven, erschwinglichen Wohnraum und die Zuversicht, sich einmal ein Leben in Wohlstand leisten zu können.  In der Konsequenz spielt Geld in der Orientierung eine übergeordnete Rolle. Alle beruflichen Perspektiven müssen auch den Nachhaltigkeits-Check durchlaufen. Sprich: Wird KI diesen Job bald überflüssig machen? Und 21 Prozent der jungen Menschen haben bereits konkrete Pläne, ins Ausland zu gehen.

Der eigentliche Denkfehler

Monika Uhl:
Wenn du alles zusammenfasst – Social Media, Unsicherheit, KI, Politik – wo liegt aktuell der größte Denkfehler?

Simon Schnetzer:
Dass wir glauben, es gehe für junge Menschen nur um die Berufswahl. In Wirklichkeit geht es um Orientierung in einer komplexen Welt. Und wer das nicht versteht, erreicht Jugendliche nur oberflächlich.

Monika Uhl:
Dann lass uns das auf einen Satz bringen: Warum verlieren Unternehmen heute so viele Jugendliche?

Simon Schnetzer:
Weil sie zu spät anfangen – und zu oft nur informieren, statt Orientierung zu geben und ein Zuversicht förderndes Umfeld zu schaffen. Ich weiß, das klingt erst einmal kompliziert, auch weil es nicht die eine Lösung gibt, die überall funktioniert. Aber durch die geeigneten Beteiligungsformate ist das sehr gut umsetzbar. In unserem Programm “Wie du der beste Arbeitgeber für junge Menschen wirst” lernen Ausbildungsverantwortliche und Führungskräfte wie sie durch Verstehen und Führungsstil ein solches Umfeld schaffen.

Monika Uhl:
Was hat dich an deiner aktuellen Trendstudie “Jugend in Deutschland” am meisten überrascht?

Simon Schnetzer:
Wie viel klarer das Bild jedes Mal wird, wenn man wirklich zuhört. Als wir zum ersten Mal gelesen haben, dass 21 Prozent das Land verlassen wollen, waren wir geschockt. Im Gespräch mit Jugendlichen haben sich naheliegende Vorurteile aufgelöst und konkrete Lösungen für eine Veränderung der Situation sind greifbar geworden. Ich freue mich, dass wir mit so vielen Betrieben zusammenarbeiten, die diesen konstruktiven Spirit teilen: Junge Menschen beteiligen - Zukunft gemeinsam gestalten.

Monika Uhl:
Wir merken jedenfalls: Wenn man Jugendliche wirklich begleitet und beteiligt – also nicht nur informiert, sondern Orientierung ermöglicht – dann verändert sich auch, wie sie Entscheidungen treffen. Und genau da liegt aus meiner Sicht der größte Hebel.

Simon Schnetzer:
Ein ganz wichtiger Punkt. Auch weil heute viele ihre Entscheidungen aus den Informationen ihrer Social Media Bubble heraus treffen. Häufig braucht dieses Begleiten und Beteiligen auch noch eine bewusstseinsschärfende Komponente, um abzugleichen, welche Erwartungen an eine Ausbildung oder einen Job realistisch sind – damit man auch auf vermeintlich schlechtere Konditionen stolz sein kann, weil man das Umfeld besser versteht.

Monika Uhl:
Und für wen lohnt sich ein genauer Blick in Deine Studie?

Simon Schnetzer:
Für alle, die zusammen mit jungen Menschen in Zukunft erfolgreich sein wollen. Wer die Jugend verstehen möchte, sollte unsere Studie lesen. Wer mit jungen Menschen besser arbeiten möchte, dem empfehlen wir unseren Kurs für Führungskompetenz der Gen Z & Alpha, der „Wie du der beste Arbeitgeber für junge Menschen wirst“ heißt. Das Feedback unserer Kunden hiernach ist sehr positiv, weil sie laut ihrer Aussagen mehr Klarheit für Entscheidungen gewonnen haben und junge Menschen besser für ihre Ziele begeistern können.

Hinweis

Die vollständige Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ geht noch deutlich tiefer auf all diese Entwicklungen ein – von Berufsorientierung über KI bis hin zu gesellschaftlichen Veränderungen.
Wer Jugendliche wirklich verstehen will, findet dort Antworten, die im Alltag oft überraschen.